Der Begriff Physioenergetik ist aus dem
Griechischen PHYSIS = Wesen, Natur, Körper, und
ENERGETIK = die Lehre von der Energie,
abgeleitet. Sie baut auf einer ganzheitlichen
Denkweise auf, die Körper, Seele und Geist (Physis,
Information, Energie) als Einheit sieht.
Die
erste Zusammenfassung über diese Diagnose- und
Behandlungstechnik entstand in Spanien unter dem
Titel "Kinesiologia Holistica", im deutschen
Sprachraum ist die Methode als Physioenergetik
(PE) bekannt. Aufbauend auf ihrer ganzheitlichen
Sichtweise arbeitet die PE mit biochemischen,
strukturellen, vaskulären, lymphatischen,
nervalen und emotionalen Mechanismen des
Körpers, sowohl zur Diagnostik als auch zur
Therapie. Die Testmethoden sind einerseits die
verschiedenen Muskeltests nach GOODHEART,
andererseits der Armlängenreflex (AR) nach VAN
ASSCHE - beides Biofeedbacksysteme des Körpers.
Viele Jahre hindurch wurde die Kinesiologie
(gr.: kinesis = Bewegung, Kinetik = Lehre der
Bewegung) nur dazu benutzt die Muskeln auf
Zustand und Bewegung zu testen. Seit 1965
erweiterte Dr. Goodheart dieses Konzept zu einer
neuen Wissenschaft. Er entdeckte, daß Muskeln
nicht nur über die Nervenbahnen
Wechselbeziehungen zu den Organen zu
unterhalten, sondern daß auch eine andere Art
der Informationsübertragung existieren müsse und
fand diese in Form der Akupunkturmeridiane.
Weitere Forschungen trugen dazu bei, die Gesetze
der Akupunktur, in einer vereinfachten Form,
anzuwenden.
Das Wort "holistisch" (gr.: Holos = Alles,
Holismus = Ganzheitslehre) wird benutzt um zu
verdeutlichen, daß der Organismus zwar wie die
Summe seiner Teile erscheinen kann, aber viel
mehr ist als nur das. Die Behandlung muß auf der
Integration der Teile basieren; die Diagnostik
zielt darauf ab, die wahre Ursache einer Störung
zu finden.
Durch Armlängenreflex und Muskeltests ist es
möglich, die energetischen Ungleichgewichte, die
sich im Körper befinden, feststellen. Die
Ergebnisse weisen darauf hin, ob das Problem im
strukturellen, chemischen oder psychischen
Bereich liegt. So kann man durch die
Physioenergetik auf Probleme aufmerksam werden,
bevor noch Symptome auftreten. Selten reagiert
ein System allein, meist kommt es vielmehr zu
einer gegenseitigen Beeinflussung. Der physische
Streß beeinflusst unsere Biochemie. Der
chemische Streß kann langsam aber sicher Gifte
ansammeln, die die Ursache für physische und
oder psychische Probleme sein können. Die
psychischen Probleme können Krankheiten und
Schmerzen genauso wie biochemische Probleme
verursachen. Demnach wäre es nicht sinnvoll, nur
einen Bereich ohne Einbeziehung der anderen zu
behandeln. Mit Hilfe des physioenergetischen
Diagnoseverfahrens können diese Wechselwirkungen
erkannt werden.
Die Idee in der PE geht dahin, dem Körper zu
ermöglichen, seine Selbstheilungskräfte wieder
voll nützen zu können. Als ein Beispiel kann
eine Wirbelsäulenläsion gelten, wo häufig durch
eine Behandlung des muskulären Ungleichgewichtes
der Wirbelkörper von selbst in seine
Normalposition zurückgeht.
GESCHICHTE DER PHYSIOENERGETIK
Die Arbeit mit Energie und Information
existiert schon seit ca. 3000 Jahren v.Chr. In
dem chinesischen Buch "Nei King"(ca.400 v. Chr.)
steht geschrieben, daß der Mensch eine Einheit
ist und in Verbindung mit dem Kosmos steht. Für
das chinesische Denken ist der Kreislauf von QI
(Lebensenergie) die Basis der Gesundheit.
Dieselbe Idee finden wir bei den Indern wieder,
die Yogaübungen durchführen, um Prana in
Bewegung zu halten und zu schützen. Prana ist
ähnlich wie QI, d.h. die Lebenskraft. Die Inder
sagen: "Prana ist in der Materie, aber ist keine
Materie. Es ist in der Luft, aber es ist keine
Luft. Es ist eine subtile Form von Energie, die
von Luft, Licht und Ernährung getragen wird."
Auf der Basis dieser jahrtausendealten
Erfahrungen, die mehr dem Bereich der Metaphysik
entstammen und unserem westlichen Denken
schwierig zugänglich waren,entwickelten sich zu
einem bestimmten Zeitpunkt - und zwar in den
60er Jahren unseres Jahrhunderts mehrere
Methoden, die dieses Wissen verarbeiteten, mit
verschiedenen Biofeedbacksystemen kombinierten
und so eine Integration in die moderne
naturwissenschaftliche Medizin ermöglichten:
1. Applied Kinesiology (A.K.) - Dr. Goodheart
2. Auriculomedizin (A.M.) - Dr. Nogier
3. Elektroakupunktur (EAV) - Dr. Voll
Dr. George Goodheart, D.C. ist der Gründer
der Applied Kinesiology. Während seiner
langjährigen Arbeitszeit verband er die
Techniken der Chiropraktik mit der angewandten
Kinesiologie. Er widmete sich ständig der
Erforschung besserer Therapien und war nie mit
den existierenden Methoden vollkommen zufrieden.
Während einer Untersuchung fand er folgenden
Befund: Der Patient beklagte sich über
Bewegungseinschränkungen im linken Arm. Die
Anteversion war eingeschränkt, die Elevation
nicht durchführbar. Stützte sich der Patient mit
beiden Armen an die Wand, stand die linke
Scapula vom Thorax ab. Bei weiteren
differentialdiagnostischen Untersuchungen ergab
sich eine Schwäche des Musculus serratus
anterior. Bei bilateraler Abtastung schien der
Muskel eine normaleStrukturierung aufzuweisen,
bei näherer palpatorischer Untersuchung fielen
jedoch einige Unregelmäßigkeiten wie kleine
druckempfindliche Knoten an den Ansatzpunkten
auf. Goodheart behandelte diese Punkte unter
mäßigem Massagedruck, ca. 2-3 Minuten. Der
Muskel gewann 70 % seiner Funktionskapazität.
Dieser Behandlungserfolg konnte nach einigen
Monaten, bei einer Kontrollvisite, bestätigt
werden.
Auf der Suche nach geeigneter Literatur
stellte Dr. Goodheartfest, daß die meisten
Autoren jedoch von verhärteten, verkrampften und
verkürzten Muskeln ausgingen. Die Behandlung von
Verkrampfungen ergab oft keine dauerhafte
Besserung. Kaum jemand schrieb über den
schwachen Muskel. Aus seiner täglichen
praktischen Erfahrung konnte er nachweisen, daß
einem verkrampften Muskel antagonistisch ein
schwacher Muskel gegenüberstand. Stärkte man den
schwachen Muskel mit der Kinesiologie-Methode,
löste sich die Verkrampfung des Gegenspielers
auf. Mit dieser Situation konfrontiert, stellte
er sich folgende Fragen: Wenn die Struktur die
Funktion kontrolliert - wie kontrolliert man die
Struktur? Sind es die Muskeln die die Knochen
bewegen, oder sind es die Knochen die die
Muskeln bewegen?
Dr. Nogier ist der Vater der Aurikulotherapie.
Einige Punkte im Ohr waren schon von der
chinesischen Medizin bekannt, standen aber mehr
in Verbindung mit dem Meridiansystem. Der Lyoner
Arzt entwickelte sein System mehr auf der Basis
der Neurophysiologie. Die Ohren repräsentieren
wie die Iris, Skeleren, Füße usw. den ganzen
Körper. Im Jahre 1966 entdeckte NOGIER den
Auriculo - cardial - Reflex (RAC). Allgemein
wird dieser Test an der Pulswelle der Arteria
radialis abgenommen und deren Veränderungen auf
bestimmte Reize (Filter,Licht etc.) registriert.
Bei dieser Methode ist das Gefäßystem das
Biofeedback - System, bei Dr. Goodheart war es
der Muskel, bei Dr. Voll ist es der elektrische
Widerstand der Akupunkturpunkte.
Dr.Voll war es, der die elektrische Messung
des Hautwiderstandes an den verschiedenen
Akupunkturpunkten entwickelt hat. Die Meßwerte
geben Aufschluß über die Funktion der den
Meridianen zugeordneten Organen und Systemen.
Dr. Voll beschäftigte sich vor allem sehr
eingehend mit den Wechselbeziehungen, die
verschiedene Teile eines Systems untereinander
verbinden, wie beispielsweise Niere / Blase -
Stirnhöhlen - die Schneidezähne etc. und führte
zu diesem Zweck hunderte von Messungen in einer
Zahnarztpraxis durch, um die Zuordnung der
einzelnen Zahnfächer zu den Organsystemen zu
finden und zu verifizieren.
In der Physioenergetik wird im allgemeinen
der Armlängenreflex (AR) nach VAN ASSCHE
benützt. Der AR wird auf folgende Weise
ausgeführt:
Der Patient liegt auf dem Rücken und legt
seine Arme locker nach oben neben seinen Kopf.
Der Therapeut zieht leicht an den Armen und
prüft damit die Spannung der Muskelketten des
Körpers. Wird der Patient irgendwelchen
stressenden Reizen ausgesetzt (ganz gleich, ob
diese Reize im psychischen, chemischen,
strukturellen oder Informationsbereich des
Körpers liegen, kommt es zu einer
ungleichmäßigen Verkürzung der Muskelketten der
linken und rechten Seite. Dadurch entsteht ein
scheinbarer Unterschied in der Armlänge, der AR.
So kann der Therapeut z.B. Druck auf ein
Wirbelgelenk ausüben, um dessen Mobilität zu
testen. Ist das Gelenk blockiert, wird der
Körper mit einem AR auf den Druck reagieren. Auf
diese Weise ist der Therapeut ohne aufwendige
technische Geräte in der Lage, sowohl
festzustellen, in welcher Körperregion und auf
welcher Ebene das Hauptproblem des Patienten
liegt, als auch welche Therapie den Streß am
wirkungsvollsten beseitigt, sei es nun
Akupunktur, Osteopathie, Homöopathie oder etwas
Anderes.
Erste Versuche deuten darauf hin, daß das
Auftreten eines AR einhergeht mit einer
Verschlechterung der Synchronisation der beiden
Großhirnhemisphären. Dieses Phänomen harrt aber
ebenso einer weiteren Untersuchung wie die
Kombinierbarkeit von Mind-Machines und
Physioenergetik. Denkbare Einsatzgebiete dafür
wären "Emotional Streß Release" und die
Behandlung von Lateralitätsproblemen. Jedenfalls
ist es mit dem AR möglich,
Mind-Machine-Frequenzen und -Programme daraufhin
zu testen, ob sie Streß im Organisumus abbauen
oder verursachen und so die Auswahl der jeweils
geeignetsten Frequenzen zu ermöglichen.