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Hahnemanns
junge Jahre sind geprägt durch
eine disziplinierte
Schulerziehung. In sehr jungem
Alter schon spricht er mehrere
Sprachen. Mit zwölf Jahren
gibt er Lateinunterricht an
seinem Gymnasium in Meißen .
Dem Wunsch seines Vaters, aus
wirtschaftlichen Gründen einen
handwerklichen Beruf zu
ergreifen, widerspricht er und
entschließt sich, Medizin zu
studieren.
Zwanzigjährig geht er
nach Leipzig, und ernährt sich
von da an selbst. Die
Ausbildungsvoraussetzungen in
Leipzig an der Fakultät der
Medizin sind schlecht.
Patienten sieht er nicht. Er
wechselt seinen Wohnsitz und
beginnt damit einen Weg, den
er bis in seine Köthener Zeit
nicht wieder verläßt. Er zieht
umher. Diesmal nach Wien, zu
Quarin, einem Medizinreformer
seiner Zeit. Er wird
Privatassistent.
Im Jahr
1777 erhält er eine Anstellung
als Bibliothekar und Hausarzt
des Baron v. Bruckenthal in
Hermannstadt (Rumänien). Er
betreibt Studien über Malaria
in den sumpfigen Tiefebenen
Siebenbürgens, die dort
endemisch ist. Hier tritt er
in die Freimaurerloge ein.
1779 kehrt er nach Deutschland
zurück und beendet sein
Medizinstudium an der
Universität in Erlangen. Die
Dissertation trägt den Titel "Conspectus
affectum spasmodicorum
aetiologicus et therapeuticus"
(Ursache und Therapie von
Krampfzuständen). Seine ersten
Praxen sind erfolglos. Er
wechselt wieder und wieder
seinen Wohnort. Seine erste
Ehe schließt er mit der
Apothekertochter Henriette
Küchler 1782 in Dessau.
In den
nächsten Jahren hält er sich
und seine Familie mit
Unterrichten und Übersetzen
über Wasser. Die jungen Jahre
sind voller Entbehrung. Seine
Arbeiten werden allerdings in
der Fachwelt anerkannt. Er
gilt als kenntnisreich und
begabt. Unbefriedigende
Erfahrungen mit der orthodoxen
Medizin bewegen ihn zur
Aufgabe seiner Praxistätigkeit
für eine Zeit von ca. acht
Jahren (Brief an Hufeland
1808).
Er
widmet sich dem Studium der
Chemie, Pharmacie und Medizin.
Arbeiten wie "Anleitung, alte
Schäden und faulige Geschwüre
gründlich zu heilen" (Leipzig
1784) sowie "Über
Arsenikvergiftung, ihre Hülfe
und gerichtliche Ausmittelung"
(Leipzig 1786) belegen seine
dauernde Auseinandersetzung
mit Pharmakologie und Medizin.
Lues und Gonorrhoe spielen
eine große Rolle innerhalb der
täglichen Praxis seiner Zeit.
Aber auch banale
Infektionskrankheiten wie
Scharlach etc. sind massenhaft
tägliches Brot für die Ÿrzte
im 18.Jahrhundert.
Ihm
fällt der Zusammenhang
zwischen der Wirkung von
Mercurius und der Behandlung
von Lues auf. Er lernt
Belladonna als vorzügliches
Heilmittel bei Scharlach
kennen. Mittlerweile zweifelt
er nicht nur an orthodoxer
Medizin. Er lehnt sie ab!
Zunehmend wird er zum
Zankapfel seiner medizinischen
Zeitgenossen.
Ihm
fällt auf, daß Kranke sehr
sensibel auf Reize reagieren.
Dies wird erst später durch
das "Arndt-Schulz´sche Gesetz"
verifiziert. Zu Beginn seiner
pharmakologischen Studien sind
Verdünnungen von Giften
nötiger Bestandteil seiner
Versuche. Er bemerkt
allerdings auch, daß die
Wirkung in einem reziproken
Verhältnis zu der Verdünnung
steht (Gedanke der
Potenzierung). In einer Zeit,
in der mehr oder weniger
Preßsäfte und relativ
konzentrierte Verdünnungen von
Pharmaka eine Rolle innerhalb
der ärztlichen Praxis spielen,
rütteln seine Ideen hoher
Verdünnungen von Substanzen,
an den Grundfesten der
herkömmlichen Medizin.
Seine
Wegentwicklung von den in
dieser Zeit gebräuchlichen
Grundgedanken der Medizin
spiegelt sich wieder in seiner
Arbeit "Unterricht für
Wundärzte über venerische
Krankheiten" (1789 Leipzig).
Ein Jahr später, während der
Übersetzung von Cullens "Materia
Medica" (1790), verändert sich
bei der Bearbeitung von "China
regia" sein persönliches
Verständnis von Medizin.
Cullen erklärt die Wirksamkeit
der Chinarinde bei bestimmten
Formen der Malaria mit
"Stärkung des Magens" durch
die adstringierenden
Wirkstoffe der Pflanze.
Hahnemann prüft die Arznei an
sich selbst und widerspricht
dieser Auffassung entschieden.
Die Ergebnisse seiner
Experimente decken sich mit
den Beobachtungen über den
Gesundheitszustand der
Arbeiter in Fabriken, die
"China" bearbeiten und nicht
etwa mit Cullens
Erklärungsversuchen.
In den
nächsten zehn Jahren belegt
Hahnemann durch zahlreiche
Veröffentlichungen in
Hufeland´s Journal seine
Autorität in bezug auf
Pharmakologie und Medizin.
Zwischen 1793 und 1799 gibt er
ein Lexikon für Apotheker
heraus. Durch seine Schrift
"Heilung und Verhütung des
Scharlachfiebers" (Gotha 1801)
und die damals umstrittene
Abhandlung "Über die Kraft
kleiner Gaben der Arzneien
überhaupt, und der Belladonna
insbesondere" (Hufeland´s
Journal Bd. 6, 1801)
verschafft er sich bei dem
größten Teil seiner Kollegen
einen eigenartigen Ruf.
Einer
seiner größten Widersacher
soll über ihn gesagt haben:
"Hahnemann wäre ein großer
Chemiker geworden, wenn er
sich nicht dazu entschieden
hätte, ein großer Quacksalber
zu werden."
Aber
diese Kritik entbehrt der
Grundlage; denn Hahnemann
belegt an der Kasuistik seines
Patienten Klockenbring, daß er
hervorragende ärztliche
Fähigkeiten besitzt.
"Striche zur Schilderung
Klockenbrings während seines
Trübsinns" (Deutsche
Monatszeitschrift Februar
1796) (Stramonium-Fall)
In
diesem Jahr bündeln sich seine
Gedanken erstmalig in Form
eines theoretischen Konzepts.
1796
ist das Geburtsjahr der
Homöopathie.
Hahnemann veröffentlicht
in Königlutter seine Arbeit:
"Versuch über ein neues
Prinzip zur Auffindung der
Heilkräfte der
Arzneisubstanzen nebst einigen
Blicken auf die bisherigen"
(1796 Königslutter, Hufelands
Journal BD. II)
Diese
Arbeit ist Grundlage für das "Organon
der rationellen Heilkunde"
(Leipzig 1810).
1805
befindet sich Hahnemann in
krassen Wiederspruch zur
orthodoxen Medizin. Seine
revolutionäre Arbeit über die
Prüfung von Arzneien an
Gesunden: "Fragmenta de
viribus medicamentorum
positivis sive in corpore sano
observatis" (1805 Leipzig),
Grundlage für die "Reine
Arzneimittellehre" (1811
Dresden), wird begleitet durch
"Aesculus auf der Waagschale"
sowie "Heilkunde der
Erfahrung", (beides Leipzig
1805).
In den
nun folgenden Jahren
entwickelt Hahnemann Theorie
und Praxis der Homöopathie
weiter zu einer in sich
geschlossenen Therapie. Er
steht in regem Kontakt mit den
medizinischen Autoritäten
seiner Zeit. Zwischen 1811 und
1821 hält er Vorlesungen über
Pharmakologie in Leipzig.
Seine Habilitation trägt den
Titiel "De Helleborismo
veterum" (Über die Christrose
bei den Alten) Leibzig 1812.
Um den Doktor schart sich eine
Gruppe von Ÿrzten und
Wissenschaftlern, die der
Homöopathie fasziniert aber
auch skeptisch
gegenüberstehen.
Professor Hecker aus
Berlin beginnt 1810 das
öffentliche Kesseltreiben
gegen Hahnemann. Seine Kritik
an Hahnemann faßt er in einer
derart rüden und beleidigenden
Form ab, daß sich das Lager
endgültig spaltet. Die
Allopathen sehen einen
Scharlatan in ihren Reihen.
Die Apothekerzunft befürchtet
Umsatzeinbußen. Feldmarschall
Prinz Schwarzenberg begibt
sich im Jahre 1819 in
Hahnemanns Behandlung und
stirbt unter seiner anfangs
erfolgreichen Behandlung im
Jahr 1820. Die Situation in
Leipzig spitzt sich immer mehr
zu. Hahnemann verläßt Leipzig
und zieht auf Einladung des
Fürsten Ferdinand von
Anhalt-Köthen nach Köthen. Im
Alter von sechsundsechzig
Jahren (1821) findet Hahnemann
in Köthen erstmalig einen
Platz, an dem er lange Jahre
leben wird. Seine Frau stirbt
1830. Hahnemann lebt mit
seinen Töchtern zusammen. Seit
dieser Zeit hat er nie mehr
die wirtschaftlichen Sorgen
der jungen Jahre. In den
nächsten Jahren erscheint das
Organon in erneuter Auflage.
Er entwickelt seine bis heute
umstrittene Theorie der
Miasmen und veröffentlicht
seine Arbeit: "Die chronischen
Krankheiten, ihre
eigentümliche Natur und
homöopathische Heilung" (1.
Auflage 1828-1830 Leipzig)
Im Jahr
1829 feiert Hahnemanns mit
seinen Schülern sein
fünfzigjähriges
Doktorjubiläum. Es werden
eintausendzweihundert Taler
für die Errichtung eines
Homöopathischen Krankenhauses
gesammelt.
Während
der Choleraepidemie um das
Jahre 1830 veröffentlicht er
mehrere Schriften über die
"Heilung der asiatischen
Cholera" und bestimmt hier die
(später ) verifizierten
homöopathischen Arzneien für
die Behandlung von Cholera,
ohne selbst je einen Fall
gesehen zu haben.
Im Jahr
1835 bekommt Hahnemann Besuch
von der französischen Malerin
Melanie d´Hervilly.
Er
erliegt im hohen Alter von
achtzig Jahren dem Charme
dieser jungen Frau, heiratet
sie und verläßt Köthen
zusammen mit ihr, um in Paris
zu praktizieren. Hier widmet
er sich einer extensiven, sehr
erfolgreichen Praxis,
beeinflußt die französische
Homöopathie und beendet das
Manuskript der sechsten
Auflage des Organons.
Hahnemann stirbt am 2.
Juli 1843. Er wird auf dem
Friedhof von Montmatre
begraben. Im Jahre 1898 wird
seine Leiche exhumiert. Seine
endgültige Ruhestätte findet
er auf dem Friedhof Pere
Lachaise in Paris unter den
"Unsterblichen Frankreichs"
(Im Friedhof rechts durch die
Avenue de la Chapelle und dann
links dem Chemin de Bassin
folgend, in der Sektion
neunzehn).
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