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 Arthrose:
Ätiologie und Pathogenese
J. Zacher, Berlin
Die Arthrose ist primär eine nichtentzündliche
Erkrankung des Gelenkes. Der Knorpelverlust prägt
die Arthrose und führt zu Sekundärphänomenen, den
entzündlichen Begleitreaktionen und den Schmerzen.
Später treten die radiologischen Kennzeichen der
Arthrose mit charakteristischen Knochenveränderungen
auf.
Das Gelenk überträgt die Lasten. Dabei besteht ein
physiologisches Gleichgewicht zwischen der Last, die
auf ein Gelenk wirkt und der Belastbarkeit des
Gelenkknorpels. Sowohl eine übermäßige Belastung
als auch ein Fehlen von Belastungen können zur
Arthrose führen.
Für die Überlastung eines Gelenkes sind in der
Regel biomechanische Probleme verantwortlich, wie
z.B. Achsfehlstellungen, Gelenksdysplasien, und
Gelenkverletzungen. Die Überbelastung und
chronische Traumatisierung führt zur Instabilität
des Gelenkknorpels. Als Folge des Verlustes von
Gelenkknorpel verdichtet sich der Knochen. Dieser
adaptative Vorgang führt zu hohen Elastizitätssprüngen
in den Bereichen, wo verdichteter und unverdichteter
Knochen aneinander stoßen. Dies führt zu
Rissbildungen im Knorpel mit der üblichen Kaskade
der Gelenkzerstörung.
Lokalisationen
Am Hüftgelenk spielt die Dysplasie der Pfanne bei
der Arthroseentstehung eine wichtige Rolle. Auch die
vermehrte Ante- oder Retrotorsion des Schenkelhalses
kann eine Fehlbelastung bedeuten.
Am Kniegelenk spielen Achsfehler die entscheidende
Rolle bei der Arthroseentstehung. Als Risikofaktor für
die Kniegelenksarthrose ist auch massives Übergewicht
bekannt. Meniskusläsionen, Bänderläsionen,
interartikuläre Frakturen als Folge einer
Verletzung führen am Knie häufig zu Problemen.
Arthrosen der Sprunggelenke sind selten. Die häufigsten
Ursachen sind hier Verletzungsfolgen.
Das Großzehengrundgelenk ist eine typische
Arthroseregion. Der Hallux rigidus, die Arthrose mit
Einsteifung des Großzehengrundgelenkes, ist eine
typische Erkrankung des Mannes ab dem 55.
Lebensjahr. Als biomechanische Ursache der Arthrose
ist der Spreizfuß mit Hallux-valgus-Bildung zu
nennen.
Bei der Polyarthrose der Hand (Heberden-Arthrose und
Bouchard-Arthrose) handelt es sich um eine
systemische Manifestation einer Arthrosekrankheit.
Von der Polyarthrose der Hand sind typischerweise
Frauen in der Postmenopause betroffen. Die
destruierende Polyarthrose der Fingermittelgelenke
wird dagegen bei Männern häufiger beobachtet.
Man kann verschiedene Stadien der Arthrose
unterscheiden: Zuerst erweicht der Knorpel, der
damit physiologischen Belastungen nicht mehr
gewachsen ist und zerstört wird. Die präarthrotische
Deformität führt potentiell zur Arthrose,
verursacht aber noch keine Beschwerden. Die Arthrose
bleibt solange stumm, bis Entzündungszeichen
auftreten. Die manifeste Arthrose ist die Arthrose,
die radiologisch diagnostiziert ist, aber keine
akute Phase durchmacht. Die Patienten kommen erst
dann mit akuten Schmerzen in die Praxis oder Klinik,
wenn das Stadium der aktivierten Arthrose erreicht
ist.
Zu den klinischen Auswirkungen des Knorpelschadens
gehört die Detritus-Synovitis als Reaktion auf den
Knorpelabrieb im Gelenk. Die abgeräumte Matrix und
die zerstörten Chondrozyten müssen aus dem Gelenk
entfernt werden. In diesem Rahmen tritt eine Entzündung
mit Schwellung, Erguss und Schmerzen auf, die zu
Bewegungseinschränkung und Schonhaltung führen.
Als Folge der Schonung kann eine Muskelatrophie
auftreten. Hat der Gelenkknorpel seine Stoßdämpferfunktion
verloren, kommt es zu adaptativen Umbauvorgängen im
Knochen, die in der Regel in einer subchondralen
Verdickung des Knochens bestehen. Es kommt zur
Osteophytenbildung.
Wenn die Arthrose dekompensiert, entstehen Zysten
als Folge von Mikrofrakturen. Die radiologischen Veränderungen
sind Spätstadien. Wichtige Funktionen im
arthrotischen Geschehen haben die Chondrozyten, die
extrazelluläre Substanz, die Synovialmembran, die
Makrophagen und die T-Zellen. Von großer Bedeutung
sind auch die Matrix-Metalloproteinasen, die in der
extrazellulären Matrix durch Zytokine, die
Mediatoren der Entzündung, hochreguliert werden. Im
Rahmen der Entzündung spielen auch die
Prostaglandine eine wichtige Rolle. Alle diese
Faktoren sind in einen Regelkreis eingebunden.
Physiologischerweise funktioniert dieser Regelkreis
sehr gut. Kommt es jedoch zur Störung des
Gleichgewichts und damit zur Entgleisung des
Regelkreises, entsteht eine Entzündung des Gelenks.
Bei
Erkrankungen werden die Therapien unterstützend zur
Schulmedizin angewandt. Begleitend zu den meisten
chronischen Krankheiten, zur Reduktion der
Dauermedikation oder Einschränkung der
Nebenwirkungen.
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