Patienten mit
Rückenschmerzen (vertebragene
Schmerzen) nach
Ba
ndscheiben-Operationen sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung sehr problematisch.
Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder
weiteren Operation sogar noch zu. Der oben
beschriebene typische Ablauf des Abnutzungsprozesses
macht deutlich, daß auch mit einer Operation die
eigentliche Schmerzursache ja nicht behoben werden
kann, im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß
der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit
jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität
zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen (=
durch die Operation verursachten)
Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach
mehrfachen Ba
ndscheiben-Operationen wegen Instabilität eine
Spondylodese(=
operative Wir
belsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach
einer solchen, teilweisen Wir
belsäulenversteifung ein Großteil der Patienten
nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß
die Indikation (=
Anzeige)
zur Ba
ndscheibenoperation in den letzten Jahren immer mehr
eingeschränkt worden ist.
Als Grund für eine Operation ist das
Krankheitszeichen "Rückenschmerzen"
in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation(=
Anzeige)
gelten allenfalls unerträgliche, therapieresistente
(=
nichts hilft)Rückenschmerzen.
Beim sog. Cauda-Syndrom(=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei
ne),
ebenso bei motorischen Defiziten (=
Beeinträchtigungen der Muskelfunktion),
die unter konservativer Therapie (=
Behandlung ohne Operation)
bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert
werden, um eine Entlastung herbeizuführen.
Segmentale Rückenschmerzen mit und
ohne Schmerzausstrahlungen, können auch von den Muskeln neben
der Wirbelsäule
selbst und/oder den zugehörigen Sehnen ausgehen
(myofasziales Synd
rom). Über den segmentalen Reflexbogen kann
auch die benachbarte Seite mit einbezogen werden, so
daß das Bild eines vertebragenen (=
von der Wir
belsäule ausgehenden)
Rückenschmerzes vorgetäuscht wird.
Häufig haben
Rückenschmerzen auch ihren Ursprung
in den
Iliosakralgelenken(=
gelenkartige Verbindung zwischen Darm-
und Kr
euzbein)
(die sog.
Iliosakralgie).
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die
betroffenen Patienten klagen besonders bei
Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen
im lumbosakralen Übergangsbereich(=
unterer Lendenwir
belsäulen- und oberer Kr
euzbeinbereich),
aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich
der Spina iliaca posterior superior (=
hinterer oberer Darmbeinstachel)
mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Beine (Gesäß, hinterer
und seitlicher Oberschenkel bis zur
Wade und evtl.
Ferse).
Neurologische Ausfälle (=
Ner
venstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit
der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.
Auch ein sog.
Beckenringsyndrom kann mit
Rückenschmerzen einhergehen. Dieses Syndrom
bezeichnet schmerzhafte
Störungen im Bereich des von den beiden Hüftbeinen
und dem
Kreuzbein
gebildeten Beckenringes.
Die
Sakralgie bezeichnet Rückenschmerzen
in der Kreuzbeingegend, z.B. infolge Kompression
(=
Einklemmung)
der Nervi clunium recurrentes in den
Kreuzbeinlöchern, bei Sakralisation (=
Verschmelzung des 5 Lendenwirbels mit dem Kr
euzbein),
häufig mit einer Erkrankung der
Iliosakralgelenke einhergehend.
Grobe Hinweise auf
die Art der Schädigung liefern die Abfrage der
Vorgeschichte und Beschwerdebild.
Werden Rückenschmerzen bei
Beanspruchung der Wirbelsäule
verstärkt oder ausgelöst, so sind die
Bewegungssegmente beteiligt. Rückenschmerzen,
die von der Wirbelsäulenfunktion unabhängig sind,
sprechen mehr für Störungen im Bereich der
Wirbelkörper. Rückenschmerzen, die von Muskeln und
deren Bindegewebsumhüllung ausgehen (sog.
muskuloskelettaler oder myofaszialer Ursprung)
werden durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen
ebenfalls verstärkt, unterliegen aber häufig
klimatischen Einflüssen, d.h., sie treten in der
kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die
Patienten, sie hätten sich "verkühlt".
Akut auftretende Rückenschmerzen im
Rahmen eines LWS-Syndroms
sind häufig bandscheibenbedingt, können aber auch
durch eine akute Segmentblockierung (hpts. kleine
Wirbelgelenke)
ausgelöst werden.
Akute Rückenschmerzen, die mit
einer monoradikulären Symptomatik (=
Krankheitszeichen 1 Ner
venwurzel betreffend)
einhergehen, sind sichere Anzeichen eines
Bandscheibenvorfalls, gleiches gilt für akute
Schmerzen im Zusammenhang mit einem Cauda-Syndrom (=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei
ne).
Rückenschmerzen beim Husten und
Pressen sind typisch für Ner
venwurzelkompressionen, z.B. infolge einer Ba
ndscheibenprotrusion
oder gar eines
Bandscheibenprolaps(=
Bandscheibenvorwölbung
oder gar -vorfall).
Rückenschmerzen, die bei Erschütterung auftreten,
können von einer
Spondylitis(=
En
tzündung an der Wir
belsäule)
verursacht werden. Rückenschmerzen, die bevorzugt
nachts und morgens auftreten, weisen auf eine
generalisierte
(=
allgemeine)
Wir
belsäulenerkrankung hin, z.B. Morbus Bechterew oder
Osteoporose.
Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits
aus dem Beschwerdebild Rückschlüsse ziehen.
Schmerzen und Störungen der (Berührungs-)
Empfindlichkeit im Bereich ober- und unterhalb des
Leistenbandes weisen auf die Nervenwurzeln
L1 (=
1. Segment der Lendenwir
belsäule)
und L2 hin.
Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren
Oberschenkel
bemerkbar.
Die Meralgia paraesthetica(=
Schmerzstörung im Bereich des Nervus cutaneus
femoris lateralis, rumpfnahe an der Außenseite des
Oberschenkels)
ist dagegen eine periphere (=
mehr oberflächliche)
Nervenstörung.
Schmerzen und Störungen der (Berührungs-)
Empfindlichkeit vom vorderen inneren Oberschenkel bis zur
Schienbeinvorderfläche reichend, betreffen die
Wurzel L4.
Beschwerden, die von der Außenfläche des
Oberschenkels über den äußeren seitlichen Unterschenkel zum Fußrücken und
zur Großzehe ziehen,
sind L5 zugeordnet, während die S1-Wurzel (=
1. Ner
venwurzel im Kr
euzbeinbereich)
für den hinteren Oberschenkel,
hinteren seitlichen Unterschenkel,
seitlichen Fußrand und
die Zehen 3-5 verantwortlich ist.
Behandlung der
Rückenschmerzen (vertebragene Schmerzen)
Grundsätzlich muß
zunächst versucht werden, durch eine geeignete
Diagnostik(=
Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten)eine für die
geklagten Rückenschmerzen ursächliche, spezifische
Erkrankung zu entdecken.
Gelingt dies, so wird diese zunächst kausal (=
entsprechend dem Krankheitsbild)behandelt.
Wenn dennoch Schmerzen verbleiben oder keine
eindeutige, spezifisch behandelbare Schmerzursache
gefunden wurde, so sind schmerztherapeutische
Behandlungsmethoden gefragt, die oft bei
verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da
sie sich nunmehr nach dem Schmerz und seiner
Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner
Ursache richten.
Länger bestehende Rückenschmerzen
erfordern praktisch immer eine Kombination von
verschiedenen Therapieverfahren.
Bei
Erkrankungen werden die Therapien unterstützend zur
Schulmedizin angewandt. Begleitend zu den meisten chronischen Krankheiten,
zur Reduktion der Dauermedikation oder Einschränkung der Nebenwirkungen.