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SKOLIOSE - RÜCKENSCHMERZEN
Teil 1
vertebragene
Schmerzen
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Eine große
Bedeutung spielen chron
ische
Rückenschmerzen in den Statistiken
der Kranken- und Rentenversicherungen: Bei Männern
sind Rückenschmerzen mit 14 % die häufigste Ursache
für
Krankheitsausfälle, bei Frauen mit 11% die
zweithäufigste.
Etwa 30-40% der
Patienten klagen über von der Wir
belsäule
ausgehende oder dort empfundene
Rückenschmerzen
(vertebragene
(=
von der Wir
belsäule ausgehende)
Schmerzen).
Die Wir
belsäule als
statisches Achsenorgan ist in dieser Funktion großen
Belastungen ausgesetzt,
entsprechend häufig treten Verschleißerscheinungen
auf, die über die physiologische Degeneration
(= normale Abnützung)
hinausgehen und
deshalb oft Beschwerden verursachen. Es ist
jedoch stets zu bedenken, daß auch
höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit
Rückenschmerzen
einhergehen müssen, auch gibt es keine
statistische Korrelation zwischen dem Ausmaß
der abnutzungsbedingten Veränderungen
und der geklagten Schmerzintensität.
Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen,
die theoretisch die geklagten Beschwerden
verursachen können, darf deshalb nicht dazu
verleiten, eine weitergehende Diagnostik
(=
Maßnahmen
zur Erkennung eines Krankheitsgeschehens)
zu unterlassen.
Vertebragene
(=
von der Wir
belsäule ausgehende)
Rückenschmerzen können auf die
Schädigungsregion (Bewegungssegment) beschränkt
bleiben und/oder in das Versorgungsgebiet eines
irritierten oder
geschädigten Ner
ven (pseudorad
ikuläres oder
rad ikuläres
Synd rom)
ausstrahlen. Diffuse, in die Peripherie
(= in den äußeren Körperbereich)
projizierte Schmerzen ohne fassbare Ner
venstörung,
begleitet von Krankheitszeichen, die dem
vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem zuzuordnen
sind
(z.B. örtlich vermehrte Schweißbildung),
sprechen für die Funktionsstörung des
Grenzstranges
(=
vegetative Nervenstrukturen beiderseits der
Wirbelsäule)
(Synd
rom des
sympathischen Grenzstranges,
Thoden 1989).
Systematik der Schmerzursachen
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1.
Vertebragene
(= wirbelsäulenbedingte)
Rückenschmerzen: |
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Degenerative
Veränderungen
(= durch Abnutzung hervorgerufen) |
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- Ba
ndscheibenveränderungen (Vorwölbung,
Vorfall) |
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-
Rückenschmerzen bei ligamentärer Insuffizienz
(= Funktionsstörung von
Haltebändern) |
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-
Rückenschmerzen bei Störung der gelenkigen
Wirbelverbindungen |
|
-
knöcherne Veränderungen (Randzacken,
Knochenwulste usw.) |
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Missbildungen |
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-
angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel,
Keilwirbel) |
|
-
Rückenschmerzen bei Wachstumsstörung (z.B.
Skoliose,
Scheuermann) |
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Entzündliche Erkrankungen |
|
-
Rheumatischer Formenkreis (z.B.
Polymyalg ia,
M. Bechterew) |
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-
Rückenschmerzen bei Infektionserkrankungen (Spondylitis
z.B. durch Tbc, |
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Staphylokokken, M. Bang) |
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Generalisierte Skeletterkrankungen |
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-
(z.B.
Osteoporose, Osteomalazie) |
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Tumoren der Wir
belsäule |
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-
Rückenschmerzen bei
Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom) |
|
-
Rückenschmerzen bei
Metastasen |
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Traumen
(= Verletzungen)
(Rückenschmerzen bei Frakturen,
Schleudertrauma der HW
S) |
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Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B.
Spond
ylolyse |
|
und
Spond
ylolisthesis) |
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2.
Neurologische Erkrankungen: |
|
(z.B. Rückenschmerzen bei Polyrad
ikul
itis,
Rückenmarkstumoren, |
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Syringomyel
ie, Tabes dorsalis |
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3. Re
ferred
pain
(Über
tragungsschmerz):
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Halswir
belsäule: sog. viszera
ler
(Über
tragungsschmerz) bei |
|
Erkrankung innerer Organe: Leber,
Gallenblase, Ma
gen, |
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Milz, Dickdarm, Herz u.
Affektionen des Schultergelenkes |
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Brustwir
belsäule:
Schmerzprojektion bei Erkrankung der |
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Speiseröhre, der Pleura, und bei Aortenaneurysma |
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Lendenwir
belsäule: Schmerzprojektion bei
gynäkologischen |
|
und urologischen Erkrankungen |
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4.
Myofaszia
les Synd
rom |
|
(= Von Mus
keln und deren Gewebsumhüllung sowie
Sehnen ausgehende Rückenschmerzen |
Das
Halswirbelsäulens
yndrom
(HW
S-Synd
rom) oder
auch Zer
vikalsyndrom
genannt,
ist ein Sammelbegriff für von der
Halswir
belsäule
ausgehende oder den Halswir
belsäulenbereich
betreffende Rückenschmerzen.
Die mit Abstand häufigste Ursache sind Störungen im
Bereich
der gelenkigen Wirbelverbindungen, die sog.
"Wirbelblockierungen".
In der Regel klagen die Patienten über
Rückenschmerzen bzw. Nac
kenschmerzen,
die in die Schul
tern,
manchmal bis in die
Ar me
und/oder auch in den Hin
terkopf (z.T. bis zur St
irn) ausstrahlen können.
Meist ist die Mus
kulatur
neben der Wir
belsäule
verhärtet, häufig verbunden mit einer schmerzhaft
eingeschränkten
Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch
Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen
der Halswir
belsäule.
Zum Ausschluß eines die Ner
venwurzeln
betreffendes Krankheitsgeschehens (radikuläre
Symptomatik),
bedarf es immer einer fachlichen Abklärung
(Neurologie, Radiologie).
Heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und
dadurch erzwungener Fehlhaltung (Schiefhaltung)
werden als „akuter
Tor tikollis“
bezeichnet.
In Abhängigkeit von
der Höhe der Störung unterteilt man das HW
S-Synd
rom in:
Oberes HW
S-Synd
rom:
Die typischen
Krankheitszeichen sind in der Literatur
unterschiedlich dargestellt
(Kügelgen et Hillemacher 1989,
Kocher et al. 1980, Dahmen et al.
1985). Gemeinsames Merkmal sind
Nac
kenschmerzen
mit Schmerzausstrahlung nach oben in den Kop
f, da sich
die Störungen überwiegend
auf die Ner
venwurzel
des 2. Halswirbels konzentrieren. Die
Schmerzeinstrahlung in den Hinterkopf,
teilweise auch bis zur St
irnregion
ziehend, führt häufig zur Diagnose eines
zervikogenen oder vertebragenen
(=
wirbelsäulenbedingten)
Kopfschmerzes.
Inwieweit die HW
S-spezifische "Unkovertebralar
throse"
(=
Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei
Wirbelkörpern)
über eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader
(A. vertebralis) im Foramen intervertebrale
(=
Zwischenwirbelloch)
ein zervikozephales
(=
Hal
s
und
Kop
f
betreffendes)
Krankheitsbild verursachen kann,
ist noch nicht endgültig geklärt.
Mittleres HW
S-Synd
rom:
Typische
Schmerzen treten im Bereich der Halswirbel 3, 4, 5
auf und strahlen
in die Schulterblätter, auch bis über die
Schul ter
aus. Beim
radikulären Synd
rom
(=
Krankheitszeichen infolge einer
Ner
venstörung, -schädigung)
treten Störungen der Nervenfunktion in Form von
herabgesetzter Empfindung
und/oder Lähmungen von Schulterblattmuskeln
(z.B. M. levator scapulae) auf. Ganz selten kommt es
auch zu
Zwerchfellähmung (Thoden
1987). Beim radikulären Synd
rom der Ner
venwurzel
des 5. Halswirbels ist der M.
biceps brachii betroffen.
Unteres HW
S-Synd
rom:
Da die Ner
venwurzeln
des 6. bis 8. Halswirbels und des 1. Brustwirbels
betroffen sind, können diese
Rückenschmerzen bis in den
Kleinfinger ausstrahlen. Meist wird dieser
Schmerzzustand mit „Zervikobrachialgie"
(Schulter-Arm-Synd
rom)
bezeichnet, obwohl streng genommen das Zerv
iko-Brachialg
ie
-Synd
rom
mit einer radikulären Symptomatik
(=
Krankheitszeichen infolge einer Ner
venstörung, -schädigung)
einhergeht (Debrunner
1988).
Die pseudorad
ikuläre
(=
auf eine scheinbare Ner
venschädigung zurückzuführende)
Ausstrahlung in die Ar
me fällt
noch unter den Begriff "Zer
vikalsyndrom".
Bei Störung der Ner
venwurzel
des 1. Brustwirbels kann sich ein Horner-Synd
rom
(=Augenlidsenkung,
Verengung der Pupille, Zurücksinken des Augapfels)
ausbilden (Thoden 1987).
Das Brustwir
belsäulen-(BW
S-) Synd
rom
ist ein Sammelbegriff für Rückenschmerzen,
die von der
Brustwir
belsäule
ausgehen oder den Brustwir
belsäulenbereich betreffen.
Von den Abschnitten der Wir
belsäule ist
die BW
S
hinsichtlich Rückenschmerzen prozentual am wenigsten
betroffen. Statisch-dynamische Faktoren spielen hier
eine untergeordnete Rolle, es dominieren
reflektorische
(=
von einem anderen erkrankten Organ ausgehende,
reflexartige)
Störungen,
hauptsächlich im
myofaszialen
(=
Mus
keln und deren Gewebsumhüllung betreffenden)
System.
Nicht selten sind auch Interkostalnerven
(=
Zwischenrippenner
ven) im
Sinne einer
pseudoradikulären Symptomatik
(=
Krankheitszeichen, die von einer scheinbar
gestörten Ner
venwurzel ausgehen)
beteiligt. Eine
rad ikuläre
Symptomatik
(=
Krankheitszeichen, die von einer tatsächlich
gestörten Ner
venwurzel ausgehen)
kann leicht
übersehen werden, da z.B. bei motorischen
(=
die Muskelfunktion
betreffenden)
Ausfällen kaum eine körperliche Beeinträchtigung
eintritt, es sei denn, es sind mehrere
Interkostalnerven
(=
Zwischenrippenner
ven)
betroffen,
was dann zu einer Störung der Lungenfunktion führen
kann.
Der Schmerzcharakter im Bereich der Brustwir
belsäule
wird von den Patienten meist mit dumpf und drückend
angegeben. In der Regel ist die Mus
kulatur
neben der Wir
belsäule
verhärtet und druckschmerzhaft.
Oft besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den
Dornfortsätzen der Wirbelkörper.
Relativ häufig treten Rückenschmerzen
im Rahmen von Wachstumsstörungen auf
(z.B. Morbus
Scheuermann,
Skoliose), begünstigt durch die damit
verbundene Fehlhaltung.
Das BWS-Syndrom
kann auch Folge von zusammengebrochenen Wirbeln
aufgrund einer
Osteoporose sein.
Nicht selten stellt sich ein BW
S-Synd
rom auch
nach einem unfallbedingten Wirbelbruch ein.
Viszera
le
(=
die Ein
geweide betreffende)
Übert
ragungsschmerzen
(Referred
pain) sind stets in die
differentialdiagnostischen Erwägungen
(=
Überlegungen, welche Krankheiten noch in Frage
kommen können)
mit
einzubeziehen. Störungen bzw. Krankheiten von Herz
und Bauchspeicheldrüse führen oft zu Beschwerden
zwischen den Schulterblättern. Auch Erkrankungen der
Speiseröhre, Pleura
(=
Brustfell)
und Fehlbildungen
der Brustaorta
(=
Brustschlagader)
können zu Beschwerden in der BW
S-Region
führen.
Das
Lendenwirbelsäulens
yndrom
(LWS-Syndrom)
ist ein Sammelbegriff für Rückenschmerzen
bzw.
Kreuzschmerzen, die aufgrund degenerativer
(=
abnutzungsbedingter)
Wirbelsäulenveränderungen oder
statisch-muskulär bedingter Störungen von der
Lendenwir
belsäule
ausgehen oder den
Lendenwir
belsäulenbereich betreffen. Die Lendenwir
belsäule ist
großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt,
weshalb hauptsächlich dieser Wirbelsäulenabschnitt
von Schmerzsyndromen betroffen ist.
Als Schmerzursache stehen wie bei der Halswir
belsäule
übermäßige degenerative
(=
abnutzungsbedingte)
Veränderungen
im Vordergrund, wobei der Ba
ndscheibe
eine Schlüsselrolle zufällt. Der Wassergehalt des
Gallertkernes der Ba
ndscheibe
nimmt im Laufe der Zeit ab und damit die
Elastizität, wodurch die Beweglichkeit
beeinträchtigt wird. Der Faserring verliert
allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und
teilweise für die Gallertmasse durchlässig.
Bereits in dieser Phase sind
Bandscheibenvorfälle möglich. Das
Bewegungssegment wird durch diese Ba
ndscheibenveränderungen nunmehr instabil, wodurch
die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden.
Die Wir
belkörper
können sich dann gegeneinander verschieben,
worunter die kleinen Wir
belgelenke
besonders leiden und schließlich mit arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spondylar
throsen). Mit zunehmender Ba
ndscheibendegeneration
(= Ba
ndscheibenabnutzung)
nähern sich die
Wirbelkörper einander und reagieren mit
Randzackenbildung (Spondylose)
und Sklerosierung
(=
krankhafte Verhärtung)
der Deckplatten (Osteochond
rose).
Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die
an sich der Entstehung von Rückenschmerzen entgegen
wirkt ("wohltuende Versteifung im Alter").
Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann
im Bewegungssegment Rückenschmerzen verursachen, die
auch mit
pseudoradikulärer oder gar
radikulärer Symptomatik
(=
Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder
tatsächlich geschädigte Ner
venwurzel zurückzuführen sind)
einhergehen können. Verschleißprozesse, die über die
normale, altersentsprechende Abnutzung hinausgehen,
können auch zu einer Verengung des Spinalkanals
führen und in den betroffenen Segmenten
Rückenschmerzen hervorrufen, bei entsprechendem
Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu ((pseudorad
ikuläre,
rad
ikuläre
Ausstrahlungen in die Be
ine,
Claudica
tio spinalis
(=
Funktionsbeeinträchtigung der Bei
ne
aufgrund einer
Durchblutungsstörung im Rückenmark)).
Die kleinen Wir
belgelenke,
die wegen ihrer dachziegelartigen Anordnung auch
Facet tengelenke
genannt werden, können auch isoliert, also
unabhängig vom Einfluß der Bandscheibendegeneration
arthrotische Veränderungen erfahren und dann
ebenfalls schmerzhafte Blockierungen des
Bewegungssegmentes hervorrufen.
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(=
Zwischenwirbellöcher)
können isolierte Störungen auftreten,
die die zugehörigen Ner
venwurzeln
irritieren oder gar schädigen und dann zu
Rückenschmerzen führen.
Ein
Bandscheibenvorfall erfolgt meist dorsolateral
(=
seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß
das Bewegungssegment blockieren. In der
dorsolateralen Region kann aber auch die Ner
venwurzel
direkt
tangiert bzw. eingeklemmt
werden und ausstrahlende Krankheitszeichen
bewirken.
90% aller Ba
ndscheibenvorfälle finden in den Etagen L4/L5 und
L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988).
Diese bevorzugte Lokalisation führt dazu, daß häufig
die Diagnose "Lumboischialgie"
gestellt wird, da die oberen Anteile des Pl
exus ischiad
icus
(=
Nervengeflecht aus dem der Isch
iasnerv entstammt)
bzw.
Pl
exus sacral
is
(=
Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins)
den Ner
venwurzeln
L4 und L5 entstammen.
Hier gehts weiter mit Teil 2 RÜCKENSCHMERZEN
Morbus Scheuermann

Patienten mit
Rückenschmerzen (vertebragene
Schmerzen) nach
Ba
ndscheiben-Operationen sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung sehr problematisch.
Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder
weiteren Operation sogar noch zu. Der oben
beschriebene typische Ablauf des Abnutzungsprozesses
macht deutlich, daß auch mit einer Operation die
eigentliche Schmerzursache ja nicht behoben werden
kann, im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß
der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit
jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität
zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen
(=
durch die Operation verursachten)
Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach
mehrfachen Ba
ndscheiben-Operationen wegen Instabilität eine
Spond
ylodese
(=
operative Wir
belsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach
einer solchen, teilweisen Wir
belsäulenversteifung ein Großteil der Patienten
nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß
die Indikation
(=
Anzeige)
zur Ba
ndscheibenoperation in den letzten Jahren immer mehr
eingeschränkt worden ist.
Als Grund für eine Operation ist das
Krankheitszeichen "Rückenschmerzen"
in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation
(=
Anzeige)
gelten allenfalls unerträgliche, therapieresistente
(=
nichts hilft)
Rückenschmerzen.
Beim sog. Cauda-Synd
rom
(=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei
ne),
ebenso bei motorischen Defiziten
(=
Beeinträchtigungen der Muskelfunktion),
die unter konservativer Therapie
(=
Behandlung ohne Operation)
bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert
werden, um eine Entlastung herbeizuführen.
Segmentale Rückenschmerzen mit und
ohne Schmerzausstrahlungen, können auch von den Mus
keln neben
der Wir
belsäule
selbst und/oder den zugehörigen Sehn
en ausgehen
(myofaszia
les Synd
rom). Über den segmentalen Reflexbogen kann
auch die benachbarte Seite mit einbezogen werden, so
daß das Bild eines vertebragenen
(=
von der Wir
belsäule ausgehenden)
Rückenschmerzes vorgetäuscht wird.
Häufig haben
Rückenschmerzen auch ihren Ursprung
in den
Iliosakralgelenken
(=
gelenkartige Verbindung zwischen Dar
m-
und Kr
euzbein)
(die sog.
Iliosakralg ie).
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die
betroffenen Patienten klagen besonders bei
Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen
im lumbosakralen Übergangsbereich
(=
unterer Lendenwir
belsäulen- und oberer Kr
euzbeinbereich),
aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich
der Spina iliaca posterior superior
(=
hinterer oberer Darmbeinstachel)
mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Be
ine (Gesä
ß, hinterer
und seitlicher Oberschen
kel bis zur
Wa
de und evtl.
Fe
rse).
Neurologische Ausfälle
(=
Ner
venstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit
der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.
Auch ein sog.
Beckenringsyndrom kann mit
Rückenschmerzen einhergehen. Dieses Syndrom
bezeichnet schmerzhafte
Störungen im Bereich des von den beiden Hüftbeinen
und dem
Kreuzbe
in
gebildeten Beckenringes.
Die
Sakralgie bezeichnet Rückenschmerzen
in der Kreuzbeingegend, z.B. infolge Kompression
(=
Einklemmung)
der Nervi clunium recurrentes in den
Kreuzbeinlöchern, bei Sakralisation
(=
Verschmelzung des 5 Lendenwirbels mit dem Kr
euzbein),
häufig mit einer Erkrankung der
Iliosakralgelenke einhergehend.
Grobe Hinweise auf
die Art der Schädigung liefern die Abfrage der
Vorgeschichte und Beschwerdebild.
Werden Rückenschmerzen bei
Beanspruchung der Wir
belsäule
verstärkt oder ausgelöst, so sind die
Bewegungssegmente beteiligt. Rückenschmerzen,
die von der Wirbelsäulenfunktion unabhängig sind,
sprechen mehr für Störungen im Bereich der
Wirbelkörper.
Rückenschmerzen, die von Mus
keln und
deren Bindegewebsumhüllung ausgehen (sog.
muskuloskelettaler oder myofaszialer Ursprung)
werden durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen
ebenfalls verstärkt, unterliegen aber häufig
klimatischen Einflüssen, d.h., sie treten in der
kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die
Patienten, sie hätten sich "verkühlt".
Akut auftretende Rückenschmerzen im
Rahmen eines LW
S-Syndroms
sind häufig bandscheibenbedingt, können aber auch
durch eine akute Segmentblockierung (hpts. kleine
Wir
belgelenke)
ausgelöst werden.
Akute Rückenschmerzen, die mit
einer monoradikulären Symptomatik
(=
Krankheitszeichen 1 Ner
venwurzel betreffend)
einhergehen, sind sichere Anzeichen eines
Bandscheibenvorfalls, gleiches gilt für akute
Schmerzen im Zusammenhang mit einem Cauda-Synd
rom
(=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei
ne).
Rückenschmerzen beim Husten und
Pressen sind typisch für Ner
venwurzelkompressionen, z.B. infolge einer Ba
ndscheibenprotrusion
oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorwölbung
oder gar -vorfall).
Rückenschmerzen, die bei Erschütterung auftreten,
können von einer
Spondylitis
(=
En
tzündung an der Wir
belsäule)
verursacht werden.
Rückenschmerzen, die bevorzugt
nachts und morgens auftreten, weisen auf eine
generalisierte
(=
allgemeine)
Wir
belsäulenerkrankung hin, z.B. Morbus Bechterew oder
Osteoporose.
Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits
aus dem Beschwerdebild Rückschlüsse ziehen.
Schmerzen und Störungen der (Berührungs-)
Empfindlichkeit im Bereich ober- und unterhalb des
Leistenbandes weisen auf die Ner
venwurzeln
L1
(=
1. Segment der Lendenwir
belsäule)
und L2 hin.
Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren
Oberschen
kel
bemerkbar.
Die Meralg
ia paraest
hetica
(=
Schmerzstörung im Bereich des Nervus cutaneus
femoris lateralis, rumpfnahe an der Außenseite des
Oberschenkels)
ist dagegen eine periphere
(=
mehr oberflächliche)
Ner
venstörung.
Schmerzen und Störungen der (Berührungs-)
Empfindlichkeit vom vorderen inneren Oberschen
kel bis zur
Schienbeinvorderfläche reichend, betreffen die
Wurzel L4.
Beschwerden, die von der Außenfläche des
Oberschenkels über den äußeren seitlichen Unterschen
kel zum Fu
ßrücken und
zur Großze
he ziehen,
sind L5 zugeordnet, während die S1-Wurzel
(=
1. Ner
venwurzel im Kr
euzbeinbereich)
für den hinteren Oberschen
kel,
hinteren seitlichen Unterschen
kel,
seitlichen Fu
ßrand und
die Zehen 3-5 verantwortlich ist.
Behandlung der
Rückenschmerzen (vertebragene Schmerzen)
Grundsätzlich muß
zunächst versucht werden, durch eine geeignete
Diagnostik
(=
Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten)
eine für die
geklagten Rückenschmerzen ursächliche, spezifische
Erkrankung zu entdecken.
Gelingt dies, so wird diese zunächst kausal
(=
entsprechend dem Krankheitsbild)
behandelt.
Wenn dennoch Schmerzen verbleiben oder keine
eindeutige, spezifisch behandelbare Schmerzursache
gefunden wurde, so sind schmerztherapeutische
Behandlungsmethoden gefragt, die oft bei
verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da
sie sich nunmehr nach dem Schmerz und seiner
Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner
Ursache richten.
Länger bestehende Rückenschmerzen
erfordern praktisch immer eine Kombination von
verschiedenen Therapieverfahren.

Bei
Erkrankungen werden die Therapien unterstützend zur
Schulmedizin angewandt. Begleitend zu den meisten chronischen Krankheiten,
zur Reduktion der Dauermedikation oder Einschränkung der Nebenwirkungen.
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